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Harnröhre
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Die Harnröhre (lateinisch Urethra, deutsch âHarngangâ; von altgriechisch ÎżáœÏΟΞÏα oĂșrÄthra, deutsch âUringangâ zu ÎżáœÏηΌα oĂșrÄma, deutsch âUrin, Harnâ)cite-ref-1[1]cite-ref-2[2] ist ein schlauchförmiges Organ des Harn- und Geschlechtsapparats der SĂ€ugetiere unter Ausschluss der Kloakentiere. Sie gehört zu den ableitenden Harnwegen und beginnt am unteren Ende der im Becken lokalisierten Harnblase. Sie mĂŒndet bei mĂ€nnlichen Vertretern an der Penisspitze auf der Eichel und bei weiblichen im Scheidenvorhof.
Die EntzĂŒndung der Harnröhre (Urethritis) wird vor allem von Bakterien verursacht. Beim Menschen werden sie vor allem sexuell ĂŒbertragen.
Contents
âą Funktion
âą Miktion
âą Ejakulation
âą Anatomie
âą Fehlbildungen
âą Tumoren
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Funktion
Miktion
â
Hauptartikel
:
Miktion
Die Harnröhre dient bei allen SÀugetieren mit Ausnahme der Kloakentiere und bei beiden Geschlechtern vor allem der Ausleitung und Ausscheidung des Urins, der sich bei den SÀugetieren in der Harnblase sammelt und von dort in die Harnröhre abgegeben wird (Miktion). Zudem verhindern die Verschlussmechanismen der Harnröhre zusammen mit Immunglobulinen weitgehend, dass Keime in das Körperinnere vordringen können.cite-ref-3[3] Die Harnröhrenschleimhaut ist beim Mann nur im letzten Drittel, bei der Frau nur in der scheidennahen HÀlfte noch von Bakterien besiedelt. Zu dieser physiologischen Schleimhautflora gehören Mycobacterium smegmatis, Corynebakterien, Streptokokken und Staphylococcus epidermidis. Die weiter blasenseitig gelegenen Abschnitte der Harnröhre sind dagegen steril.cite-ref-4[4]
Ejakulation
â
Hauptartikel
:
Samenerguss
und
Weibliche Ejakulation
Bei mĂ€nnlichen SĂ€ugetieren dient sie zudem der Weiterleitung der Spermien, die ĂŒber den Samenleiter (Ductus deferens) in die Harnröhre geleitet werden und gemeinsam mit Sekreten der Prostata und der BlĂ€schendrĂŒse das Sperma bilden. Dieses wird bei der Ejakulation ĂŒber die Harnröhre transportiert. Die Harnröhre mĂ€nnlicher Individuen wird aus diesem Grund auch als Harn-Samen-Röhre bezeichnet.
Sexuelle Stimulation
â
Hauptartikel
:
Harnröhrenstimulation
Die Harnröhre ist von vielen Nerven durchzogen und kann als erogene Zone betrachtet werden. Eine Massage bzw. Stimulation der Harnröhre, entweder manuell oder durch das EinfĂŒhren von Objekten, kann bei MĂ€nnern wie Frauen als lustvoll erlebt werden.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6]cite-ref-7[7] Sehr selten ist der Urethralverkehr, bei dem der mĂ€nnliche Penis in die gedehnte weibliche Harnröhre eingefĂŒhrt wird.
Anatomie
Allgemeiner Aufbau und Muskulatur
Aufgrund ihrer engen Assoziation an die geschlechtsspezifisch unterschiedlich ausgebildeten Genitalorgane ist auch die Harnröhre bei den Geschlechtern unterschiedlich ausgeprĂ€gt. Die Harnröhre ist ein hĂ€utig-muskulöser Schlauch, der unterhalb der Harnblase (am Blasenhals) aus dieser ĂŒber die innere HarnröhrenmĂŒndung (Ostium urethrae internum) entspringt und von hier den Beckenboden im Bereich des Diaphragma urogenitale durchtritt. Wie alle harnableitenden Wege besitzt er eine spezielle Auskleidung, die als Urothel oder Ăbergangsepithel bezeichnet wird. Unter dem Epithel befinden sich elastisches Bindegewebe und ein BlutgefĂ€Ăgeflecht (Stratum spongiosum). Weiter nach auĂen folgt glatte Muskulatur und ganz auĂen wiederum Bindegewebe zur Einbettung in die Umgebung (Adventitia).
Neben der glatten Muskulatur wird die Harnröhre von weiteren Muskelteilen umgeben, die ihre Funktion ermöglichen. Von der Harnblase ziehen Teile der Ă€uĂeren LĂ€ngsmuskelschicht des Musculus detrusor vesicae, der als Austreibemuskel der Harnblase fungiert, bis zur Harnröhre und umgeben diese von vorn am Harnblasenhals gemeinsam mit MuskelbĂŒndeln des Musculus pubovesicalis, die den hinteren Bereich der inneren HarnröhrenmĂŒndung umfassen und gemeinsam den unwillkĂŒrlichen SchlieĂmuskel der Harnblase bilden.cite-ref-kahle-et-al-1986-2-268-8-0[8] Dieser wird hĂ€ufig auch als eigener SchlieĂmuskel der Harnblase (Musculus sphincter vesicae) betrachtet. Im Ăbergangsbereich von der Blase zur Harnröhre reicht zudem der untere verdickte Winkel des Harnblasendreiecks (Trigonum vesicae) als muskulöses ZĂ€pfchen, Uvula vesicae, von hinten in die innere Harnröhrenöffnung.cite-ref-kahle-et-al-1986-2-266-9-0[9] Von der RĂŒckseite setzen zudem Fasern des Musculus rectovesicalis an der Harnröhre und der Harnblase an.cite-ref-kahle-et-al-1986-2-268-8-1[8]
Der quergestreifte Ă€uĂere willkĂŒrliche HarnröhrenschlieĂmuskel (Musculus urethralis) umgibt mit dem Musculus sphincter urethrae membranaceae die mĂ€nnliche Harnröhre in Spiralschlingen aufsteigend im Bereich der Pars membranacea urethrae,cite-ref-kahle-et-al-1986-2-268-8-2[8] bei weiblichen SĂ€ugetieren entspringt er seitlich an der Vagina und bildet eine Schlinge um die Urethra. Er trĂ€gt im Zusammenspiel mit der Harnblasenmuskulatur des Harnblasendreiecks, dem SchlieĂmuskel der Harnblase und dem Musculus detrusor vesicae maĂgeblich zum Harnhaltevermögen (Urinkontinenz) und der Miktion bei, wobei auch der Musculus levator ani als Beckenboden beim Harnröhrenverschluss beteiligt sein kann.cite-ref-kahle-et-al-1986-2-268-8-3[8] Die Innervation des Musculus urethralis und des Musculus sphincter vesicae erfolgt durch die Nervi perineales, die dem Nervus pudendus entspringen, wĂ€hrend der Musculus detrusor vesicae vom Nervus pelvinus innerviert wird.
Zwischen der Harnröhre bzw. deren MĂŒndung, Meatus urethrae, beginnt sich als periurethraler Bindegewebsraum das Septum uretrovaginale zwischen der weiblichen Harnröhre und Vagina bzw. Scheidenvorhof, Vestibulum vaginae, auszuspannen. Dieser Bindegewebsraum setzt sich nach hinten, dorsal, in die Halbanâsche Faszie, auch als Septum vesicovaginale bezeichnet, fort.cite-ref-10[10]cite-ref-11[11]
Geschlechtsspezifische Anatomie der Harnröhre
Weibliche Harnröhre
Die Harnröhre der weiblichen SĂ€ugetiere verlĂ€uft parallel zur Vagina durch den Beckenboden und mĂŒndet an der Grenze von Scheidenvorhof und Vagina in die Vulva. Sie hat bei der Frau eine LĂ€nge von etwa 2,5 bis 4 cm. Bei weiblichen Paarhufern liegt im Bereich der MĂŒndung eine blind endende Schleimhautbucht (Diverticulum suburethrale), die das Katheterisieren erschwert. Die weibliche Harnröhre besitzt eine wulst- bzw. spornartige VorstĂŒlpung (Carina urethralis vaginae), auf der sich die eigentliche MĂŒndungsöffnung der Harnröhre, Meatus urethrae externus befindet. HĂ€ufig ziehen hiervon seitlich zwei zĂŒgelförmige, schmale (dreieckige) Gewebefalten in Richtung zur Klitoris hoch; sie können bei digitaler Untersuchung sichtbar werden. Die Carina urethralis vaginae kann ihrerseits interindividuell stark variieren, wobei sie sich unterschiedlich weit ĂŒber eine gedachte Scheideneingangsebene hinaus vorstĂŒlpt (von einer relativ flachen Profilierung bis hin zu einer ausgeprĂ€gteren) und darin an einen Wasserspeier erinnert. Der Scheideneingang, Introitus vaginae ist ein runder Gewebesaum, der am kaudalen Ende der Vagina liegt (Carunculae hymenales) und am oberen Ende eine Verbindung mit der MĂŒndung bzw. der die Harnröhre (Carina urethralis vaginae) umgebenden Schleimhaut findet.
Ihr Anfangsteil nahe der Blase ist von Urothel ausgekleidet, das in mehrschichtig unverhorntes Plattenepithel ĂŒbergeht. Vereinzelt finden sich muköse DrĂŒsen (Glandulae urethrales, LittrĂš-DrĂŒsen).cite-ref-lr-histo-2012-488-13-0[13] Die Schleimhaut bildet Buchten, Lacunae urethralis sowie lĂ€ngsverlaufende Falten, die die verzweigten, tubulĂ€ren Glandulae urethrales enthalten. Im distalen Drittel sind die intraluminĂ€ren DrĂŒsenausfĂŒhrgange der ParaurethraldrĂŒsen, Glandulae paraurethrales nachweisbar.cite-ref-14[14] Der Verschluss (Sphinkter) erfolgt (reflektorisch) willkĂŒrlich durch den Musculus sphincter urethrae membranaceae, vermittels der Innervation durch die Nervi perineales aus dem Nervus pudendus.
Periurethrales Schwellkörpersystem
Jeweils seitlich des eigentlichen Meatus urethrae externus, der Harnröhrenöffnung, ragen polsterartig, in unterschiedlichem AusmaĂ, zwei kleinere höckerartige HĂŒgelchen links und rechts von einer rinnenartigen Senke oder leichten Einkerbung nach oben zum SchamhĂŒgel empor. Seitlich der vorgewölbten Carina urethralis vaginae sitzen die ParaurethraldrĂŒsen, Glandulae paraurethrales; sie weisen mehrere AusfĂŒhrungsgĂ€nge auf und mĂŒnden sowohl in den Endabschnitt der Harnröhre (âintraluminĂ€râ) selbst sowie seitlich (âperiurethralâ) derselben. Sie werden nach ihrem Erstbeschreiber auch Skene-DrĂŒsen (nach Alexander Skene) genannt oder wegen der Homologie zur mĂ€nnlichen Prostata auch Prostata feminina.
In die Urethra mĂŒnden die DrĂŒsen der weiblichen Prostata (Prostata feminina) bzw. ParaurethraldrĂŒse; diese besitzt mehrere AusfĂŒhrungsgĂ€nge. Ihr Sekret (siehe weibliche Ejakulation) Ă€hnelt in Zusammensetzung und Enzymmustern dem mĂ€nnlichen Prostatasekret (Prostataspezifisches Antigen).cite-ref-15[15]
Die weibliche Prostata ist Teil eines periurethralen Schwellkörpersystems, Corpus cavernosum urethrae, zu dem auch der G-Punkt und als intravaginale Fortsetzung die Halbanâschen Faszie, die GrĂ€fenberg-Zone und die Anterior Fornix Erogenous Zone, kurz AFE-Zone als zusĂ€tzliche Schwellkörpergewebe gerechnet werden.cite-ref-16[16] Die Nervenversorgung der weiblichen Harnröhre und das sie umgebende Schwellkörpergewebe erfolgt ĂŒber den Plexus vesicalis (Teil des Plexus hypogastricus inferior) und den Nervus pudendus. Viszerale Afferenzen aus der Harnröhre verlaufen in den splanchnischen Beckennerven.
MÀnnliche Harnröhre
Bei allen mĂ€nnlichen SĂ€ugetieren verlĂ€uft die Harnröhre durch die Prostata und den Penis und mĂŒndet auf der Eichel. Bei vielen SĂ€ugetieren bildet sie auf der Eichel einen zipfelförmigen Fortsatz (Processus urethrae), der besonders beim Schafbock sehr lang ist. Beim Hengst sitzt der Processus urethrae in einer Vertiefung, der Eichelgrube (Fossa glandis). Beim Mann ist die Harnröhre (Urethra masculina) etwa 20 bis 25 Zentimeter lang und nur im Anfangsteil mit einem Urothel ausgekleidet. In der Mitte des Prostatateils, im Bereich des SamenhĂŒgels (Colliculus seminalis), geht das Urothel in mehrschichtiges hochprismatisches Epithel ĂŒber. Ein weiterer EpithelĂŒbergang findet in der Schiffergrube (Fossa navicularis urethrae) zu mehrschichtigem, unverhornten Plattenepithel statt. Dieses Epithel bildet einen NĂ€hrboden fĂŒr MilchsĂ€urebakterien, die ein saures Milieu schaffen und damit einen Schutz vor Infektionen bieten.cite-ref-lr-histo-2012-488-13-1[13]
Die Geschlechtsunterschiede in der LĂ€nge der Harnröhre haben auch medizinische Konsequenzen: Die kĂŒrzere Harnröhre der weiblichen Individuen bedeutet, dass hier die Gefahr einer BlasenentzĂŒndungcite-ref-17[17] und einer Harninkontinenz höher ist. DafĂŒr ist im Fall von Harninkontinenz der Einsatz von Harnröhrenstöpseln möglich. Bei mĂ€nnlichen Individuen erschwert die LĂ€nge der Harnröhre die Verwendung eines Katheters und begĂŒnstigt das Festsetzen von Harnsteinen.
Die Harnröhre der mÀnnlichen SÀugetiere und des Mannes wird in folgende Abschnitte unterteilt:
| Bezeichnung bei SĂ€ugetieren | Bezeichnung bei SĂ€ugetieren | Bezeichnung beim Mann |
|---|---|---|
| Pars pelvina (Beckenteil) mit | Pars praeprostatica (Teil vor der Prostata ) | Pars praeprostatica (von der Harnblasenwand bis zur Prostata) (1â1,5 cm): Sie wird vom Musculus sphincter urethrae internus umfasst. |
| Pars pelvina (Beckenteil) mit | Pars prostatica (Prostataabschnitt) | Pars prostatica (Prostataabschnitt) (3â4 cm) |
| Pars pelvina (Beckenteil) mit | Pars postprostatica mit Musculus urethralis | Pars membranacea (Beckenbodenteil) (1 cm): An dieser Stelle wird sie vom Musculus urethralis umgeben. Hier befindet sich zudem der Isthmus urethrae (Engstelle vor dem Eintritt in den Penis ) |
| Pars penina (Penisteil) | | Die Pars spongiosa ist der Teil im Harnröhrenschwellkörper des Penis (ca. 20 cm beim Mann). Bei Tieren mit einem Penisknochen verlĂ€uft die Harnröhre in einer bauchseitigen Rinne ( Sulcus urethrae ) dieses Knochens. Kurz vor der MĂŒndung erweitert sich beim Mann die Harnröhre ( Fossa navicularis urethrae , Schiffergrube) und verengt sich dann zur Ă€uĂeren MĂŒndung ( Ostium urethrae externum ) hin zu einem Spalt. Beim Mann mĂŒnden hier die BulbourethraldrĂŒsen und zahlreiche kleine muköse DrĂŒsen ( Glandulae urethrales , LittrĂš-DrĂŒsen). [ 18 ] |
Evolutive und ontogenetische Entwicklung
Die Harnröhre ist ein Organ, das sich gemeinsam mit der Harnblase ausschlieĂlich bei den Theria, also den BeutelsĂ€ugern und den Höheren SĂ€ugetieren, entwickelt hat, wĂ€hrend andere Wirbeltiere wie Vögel, Reptilien oder auch die basalen SĂ€ugetiere, die Kloakentiere, ĂŒber eine Kloake verfĂŒgen.cite-ref-m-bjerg-2004-19-0[19]
Embryonal entstehen die Harnblase und die Harnröhre aus dem bauchseitigen Abschnitt der Kloake, dem Sinus urogenitalis. Dieser Sinus, zu Deutsch âHöhleâ, hat drei Etagen, aus denen sich bei mĂ€nnlichen und weiblichen SĂ€ugetieren die ableitenden Harnwege entwickeln. Aus dem oberen Abschnitt entsteht die Harnblase, aus dem mittleren entwickelt sich die Harnröhre der weiblichen SĂ€ugetiere. Bei mĂ€nnlichen SĂ€ugetieren bilden sich daraus nur die Abschnitte der Harnröhre, die in der Prostata liegen und durch die Beckenbodenmuskulatur treten. Der Abschnitt im Penis geht aus der unteren Etage des Sinus urogenitalis hervor: WĂ€hrend dieser bei weiblichen SĂ€ugetieren den Scheidenvorhof bildet, wĂ€chst er bei der Penisentwicklung mit und wird von den Harnröhrenschwellkörpern umschlossen.cite-ref-m-bjerg-2004-19-1[19]cite-ref-20[20]
Untersuchung der Harnröhre
Zur medizinischen Untersuchung der Harnröhre gibt es unterschiedliche direkte und indirekte Methoden. Eine einfache Methode, etwa um Verletzungen oder Aussackungen zu identifizieren, ist die Abtastung (Palpation).cite-ref-21[21] Die Urethrozystoskopie ist ein endoskopisches Verfahren, bei dem das Endoskop in die Harnröhre eingefĂŒhrt und langsam bis in die Harnblase vorgeschoben wird. Dadurch ist eine genaue Lokalisation von Verengungen, Aussackungen oder Tumoren möglich. Das Verfahren kommt zur Indikationsstellung bei allen Eingriffen im Bereich des Blasenhalses zur Anwendung, zum Beispiel bei der transurethralen Resektion der Prostata.cite-ref-22[22]
Zu den bildgebenden Verfahren gehören die (retrograde) Urethrographie, bei der die Harnröhre mit einem Röntgenkontrastmittel aufgefĂŒllt wird, um Harnsteine, Fremdkörper, Verengungen, Fehlbildungen, Tumoren und andere AuffĂ€lligkeiten zu identifizieren, sowie das Miktionszystourethrogramm, bei der die Blase ĂŒber einen Katheter mit Kontrastmittel befĂŒllt wird. Bei der Ausscheidung des Kontrastmittels können dann wie bei der Urethrographie Aussackungen oder Abflusshindernisse der Harnröhre erkannt werden.cite-ref-23[23] FĂŒr die Ultraschalluntersuchung muss die Harnröhre zunĂ€chst mit Wasser oder Gleitmittel gefĂŒllt werden. Diese Methode wird zur AbklĂ€rung von Harnröhrenstrikturen genutzt.cite-ref-24[24]
Indirekte Untersuchungen zum Nachweis von Infektionserregern können ĂŒber einen Harnröhrenabstrich, also der Entnahme einer Tupferprobe, oder die Untersuchung des Harnröhrenausflussescite-ref-25[25] erfolgen. Die Untersuchung des Urins ist nur wenig aussagekrĂ€ftig, weil der Keimgehalt des Harnröhrensekrets durch den sterilen durchflieĂenden Urin zu stark reduziert wird.cite-ref-26[26]
Fehlbildungen, Erkrankungen und Verletzungen
Fehlbildungen, Erkrankungen und Verletzungen können die Harnröhre aller SĂ€ugetiere betreffen, wobei vor allem die Infektionen unterschiedlich sind und unterschiedliche, teilweise artspezifische, Erreger als Auslöser in Frage kommen. Die folgenden Darstellungen sind vor allem auf den Menschen bezogen, können jedoch entsprechend auf andere SĂ€ugetiere ĂŒbertragen werden.
Fehlbildungen
Wie bei anderen Organen können auch die ableitenden Harnwege und direkt die Harnröhre von Fehlbildungen betroffen sein, die sich wÀhrend der Embryonalentwicklung aufgrund verschiedener Faktoren ausbilden. Alle Fehlbildungen der Harnröhre werden, wenn sie Beschwerden bereiten, operativ behandelt und korrigiert.cite-ref-pschyrembel-harnr-hrenfehlbildungen-27-0[27]
Ist die Harnröhre nicht angelegt, spricht man von einer Agenesie, ist sie an einer Stelle verschlossen, von einer Atresie. Beide Fehlbildungen sind selten und nur dann mit dem Leben vereinbar, wenn eine andere Harnabflussmöglichkeit bestehen bleibt, etwa ein offener Urachus.cite-ref-28[28] Bei manchen, in der Regel mĂ€nnlichen, Neugeborenen bleiben Urethralklappen zurĂŒck, die den Harnabfluss behindern.cite-ref-29[29]
Eine der hĂ€ufigsten Fehlbildungen der mĂ€nnlichen Geschlechtsorgane ist die Hypospadie.cite-ref-30[30] Bei dieser ist die Harnröhre lĂ€ngs unvollstĂ€ndig verschlossen und mĂŒndet auf der Unterseite (ventralen Seite) des Penis. Sehr selten tritt sie auch bei MĂ€dchen auf, in diesem Fall mĂŒndet die Harnröhre in der Vagina.cite-ref-31[31] Die dorsale Spaltbildung, die Epispadie, ist ebenfalls sehr selten. Bei Jungen liegt der Spalt auf der Oberseite des Penis, bei MĂ€dchen ist in der Regel die Klitoris gespalten. Die Epispadie tritt meistens mit einer Blasenekstrophie auf.cite-ref-32[32]
Auch eine Verdoppelung der Harnröhre oder die Ausbildung einer rudimentÀren Harnröhre als anhÀngender (akzessorischer) Ductus paraurethralis kommen vor.cite-ref-pschyrembel-harnr-hrenfehlbildungen-27-1[27]
Divertikel, Fisteln und Vorfall
Als Harnröhrendivertikel werden AusstĂŒlpungen bezeichnet, die in allen Abschnitten in der Regel an der Unterseite der Harnröhre auftreten können. Diese können angeboren sein oder sich spĂ€ter als Reaktion auf eine entzĂŒndungsbedingte Harnröhrenstriktur vor dieser Striktur bilden.cite-ref-pschyrembel-harnr-hrendivertikel-33-0[33] Divertikel fallen meistens durch chronische HarnröhrenentzĂŒndungen mit Dysurie sowie zu HĂ€maturie oder Harninkontinenz auf.cite-ref-pschyrembel-harnr-hrendivertikel-33-1[33]
Fisteln sind Verbindungen zwischen einem Hohlorgan und einem anderen Organ. Auch sie können angeboren oder erworben sein. Bei Frauen sind erworbene urethrovaginale Fisteln, also Fisteln zwischen Harnröhre und Vagina, in der Regel Folge von Abszessen, zum Beispiel bei EntzĂŒndungen von Harnröhrendivertikeln, oder Verletzungen durch UnfĂ€lle und Operationen.cite-ref-pschyrembel-urogenitalfistel-34-0[34]
Bei einem Harnröhrenvorfall (Urethraprolaps) stĂŒlpt sich Harnröhrenschleimhaut aus der Ă€uĂeren HarnröhrenmĂŒndung vor. Ein Urethraprolaps tritt vor allem bei jungen MĂ€dchen auf, bei Tieren sind vor allem RĂŒden kurzköpfiger Hunderassen betroffen. Die Ursache ist nicht geklĂ€rt, die Behandlung erfolgt durch chirurgische Entfernung der vorgefallenen Schleimhaut.cite-ref-35[35]cite-ref-36[36]
EntzĂŒndungen und Infektionen
â
Hauptartikel
:
Urethritis
Die hĂ€ufigste Erkrankung der Harnröhre ist die EntzĂŒndung der Harnröhrenschleimhaut, die Urethritis, die gegebenenfalls auch tiefere Schichten betrifft und dann als Periurethritis und Kavernitis bezeichnet wird.cite-ref-pschyrembel-urethritis-37-0[37] Die EntzĂŒndungen werden nach Ursache in infektiöse, mechanische und allergische Urethritiden eingeteilt. Eine vierte Gruppe bilden die Urethritiden bei Allgemeinerkrankungen.cite-ref-hautmann-gschwend-uro-2014-149-38-0[38]
Die infektiösen Urethritiden sind die gröĂte Gruppe. Sie können im Rahmen einer allgemeinen Harnwegsinfektion auftreten oder von spezifischen Erregern hervorgerufen werden.cite-ref-39[39] Hier werden gonorrhoische Urethritiden (âTripperâ), die durch Neisseria gonorrhoeae hervorgerufen werden, von nicht-gonorrhoischen Urethritiden unterschieden, hinter denen alle anderen Erreger stehen.cite-ref-40[40] FĂŒhrend sind in dieser Gruppe die bakteriellen Infektionen, vor allem durch Chlamydien (Chlamydia trachomatis). Die nichtgonorrhoische Urethritis ist die hĂ€ufigste sexuell ĂŒbertragene Krankheit in IndustrielĂ€ndern.cite-ref-pschyrembel-urethritis-nicht-gonorrhoische-41-0[41] Die postgonorrhoische Urethritis ist eine Mischinfektion von Neisseria gonorrhoeae und Chlamydia trachomatis.cite-ref-42[42] Seltener sind Viren oder Pilze Auslöser von EntzĂŒndungen, diese Erreger treten aber eher bei Individuen mit geschwĂ€chtem Immunsystem in Erscheinung. Der Parasit Trichomonas vaginalis besiedelt die Scheide und die Harnröhre. Die von ihm verursachte Trichomoniasis gehört ebenfalls zu den sexuell ĂŒbertragenen Krankheiten.cite-ref-43[43] Infektiöse Urethritiden werden nach der Bestimmung der Erreger mit Hilfe von Antiinfektiva wie Antibiotika, Virustatika oder Antimykotika gegen die spezifische Erregergruppe behandelt.
Eine mechanische Urethritis ist die Folge mechanischer Reizung, etwa durch das Legen eines Blasenkatheters. Die Katheterurethritis ist dann hĂ€ufig mit einer bakteriellen Infektion vergesellschaftet. Allergische Urethritiden sind vor allem UnvertrĂ€glichkeitsreaktionen auf Medikamente sowie Nahrungs- und Genussmittel. Diese können bei MĂ€nnern auftreten, deren Sexualpartnerin vaginal applizierte VerhĂŒtungsmittel nutzt.cite-ref-hautmann-gschwend-uro-2014-149-38-1[38]
Eine EntzĂŒndung der Harnröhrenschleimhaut kann neben den genannten Ursachen auch als Folge weiterer akuter und chronischer Allgemeinerkrankungen wie Diabetes mellitus, der Reiter-Krankheit oder Typhus abdominalis auftreten.cite-ref-pschyrembel-urethritis-nicht-gonorrhoische-41-1[41]
Tumoren
Polypen sind gutartige Tumoren der Schleimhaut, die meistens gestielt wachsen. An der Harnröhre treten sie meistens bei Frauen nach der Menopause auf und behindern den Harnfluss.cite-ref-pschyrembel-harnr-hrenpolyp-44-0[44] Sie mĂŒssen von Harnröhrenkarunkeln abgegrenzt werden. Bei diesen handelt es sich um mit Schleimhaut ĂŒberzogene, leicht blutende und mit EntzĂŒndungszellen durchsetzte Tumoren des Bindegewebes, die sich meistens in der NĂ€he der HarnröhrenmĂŒndung bilden und aus ihr heraustreten (prolabieren) können. Auch sie bilden sich hĂ€ufig bei Ă€lteren Frauen.cite-ref-pschyrembel-harnr-hrenkarunkel-45-0[45]
Das Urothelkarzinom (Harnröhrenkrebs) ist dagegen ein seltener bösartiger Tumor der Harnröhre, der in der Regel als Plattenepithelkarzinom der Harnröhrenschleimhaut auftritt. Frauen sind dreimal so oft betroffen wie MĂ€nner, der HĂ€ufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 50. und 65. Lebensjahr.cite-ref-facharzt-uro-210-46-0[46] Die Symptomatik ist meistens unspezifisch, es können Blut oder blutige FlĂŒssigkeit aus der Harnröhre austreten. Ist das Karzinom nah an der Blase lokalisiert, können auch Dammschmerzen, Abszesse und Fisteln auftreten.cite-ref-47[47] Bei Frauen scheinen Divertikel, Karunkel und chronische EntzĂŒndungen die Entstehung von Harnröhrenkrebs zu begĂŒnstigen, bei MĂ€nnern kann die Erkrankung eine Langzeitfolge von Infektionen und Verletzungen sein.cite-ref-facharzt-uro-210-46-1[46]
Verletzungen und Fremdkörper
Verletzungen der Harnröhre werden in âhintereâ und âvordereâ Harnröhrenverletzungen eingeteilt, die sich hinsichtlich ihrer Ursache unterscheiden. Mit hinteren Harnröhrenverletzungen sind Verletzungen der Harnröhre oberhalb ihres Durchtritts durch den Beckenboden gemeint. Sie entstehen meistens bei BeckenbrĂŒchen durch massive Gewalteinwirkung, also bei VerkehrsunfĂ€llen und StĂŒrzen aus groĂer Höhe. Harnröhren von MĂ€nnern sind hĂ€ufiger davon betroffen als die Harnröhren von Frauen. Vordere Harnröhrenverletzungen sind Verletzungen der Harnröhre unterhalb des Beckenbodens. Bei Erwachsenen sind Ă€rztliche MaĂnahmen als Ursachen fĂŒhrend, also das EinfĂŒhren von Instrumenten und das Legen und zu lange Liegen von Blasenkathetern. Auch hier sind mĂ€nnliche Harnröhren hĂ€ufiger betroffen, insbesondere zu lange liegende Katheter können zu Strikturen des Penisteils der Harnröhre fĂŒhren. Verletzungen durch andere eingefĂŒhrte GegenstĂ€nde, etwa zur sexuellen Stimulation, sind selten und betreffen die Harnröhre nah an ihrer Ăffnung. Bei Kindern treten traumatisch bedingte vordere Harnröhrenverletzungen hĂ€ufiger auf als bei Erwachsenen, vor allem durch Anpralltraumen gegen das Perineum. Bei MĂ€nnern, die eine Penisruptur erleiden, ist in 20 % der FĂ€lle auch die Harnröhre betroffen.cite-ref-48[48]
Auch Harnsteine (Urolithiasis), die aus der Harnblase in die Harnröhre geschwemmt werden oder erst in der Harnröhre entstehen, kommen vor und können zu einer Verengung oder Striktur fĂŒhren.cite-ref-pschyrembel-harnr-hrenfehlbildungen-27-2[27] Dabei handelt es sich um krankhafte feste Gebilde (Konkremente), die sich aus Mineralsalzen im Urin bilden können. Sie heiĂen korrekt Urethralithcite-ref-49[49] oder Urethrolith;cite-ref-50[50] das Reallexikon der Medizin nennt nur Urethralstein und Urethrastein.cite-ref-51[51]
Die in Brasilien vorkommenden Vandelliinae (âHarnröhrenwelseâ) können in die Harnröhre eindringen, sich dort festhaken und absterben und zu einer Verlegung der Harnröhre fĂŒhren.cite-ref-52[52]
Piercings und andere Modifikationen
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Hauptartikel
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Intimpiercing
Wie bei anderen Teilen der Genitalregion kann auch die Harnröhre des Menschen in den Intimschmuck in Form verschiedener Piercings einbezogen werden, die dann mit einem Ball Closure Ring, einem Segmentring und Curved Barbell als Schmuck realisiert werden. Die bekannteste Form dieser Genitalpiercings ist dabei das Prinz-Albert-Piercing des Mannes, das von der Harnröhre ausgehend durch die untere Peniswand verlĂ€uft.cite-ref-waugh-2007-53-0[53] Abwandlungen stellen das Reverse-Prinz-Albert-Piercing mit einem Austritt an der Oberseite des Peniscite-ref-waugh-2007-53-1[53] sowie das Dolphin-Piercing mit zwei Ăffnungen der unteren Harnröhrecite-ref-waugh-2007-53-2[53] dar. Der Ampallang ist ein Piercing, das horizontal durch die Eichel gestochen wirdcite-ref-waugh-2007-53-3[53] und meist die Harnröhre kreuzt. Der Apadravya wird dagegen vertikal gestochencite-ref-waugh-2007-53-4[53] und kreuzt die Harnröhre, sofern er mittig platziert wurde, was bei den meisten Apadravyas der Fall ist. Ein weiterer Piercingschmuck des Mannes ist der Princeâs Wand, der als Stift in die Harnröhre eingesetztcite-ref-waugh-2007-53-5[53] und meist ĂŒber ein Prince-Albert-Piercing, ein Ampallang oder ein Apadravya oder einen Ring um die Eichel (pinless) befestigt wird. Die weibliche Entsprechung des Prince-Albert-Piercings ist das Prinzessin-Albertina-Piercing, das von der Harnröhrenöffnung zur Vaginalöffnung verlĂ€uft.
In der medizinischen Literatur gibt es vereinzelt Hinweise auf Verletzungen oder Komplikationen, die durch Piercings mit Harnröhrendurchgang verursacht werden können. Dabei handelt es sich neben EntzĂŒndungen und allergischen Reaktionen beispielsweise um Einrisse, Fisteln oder andere Verletzungen.cite-ref-kaatz-et-al-2008-54-0[54]
Neben Piercings gibt es weitere Modifikationen, die vor allem den Penis und die mĂ€nnliche Harnröhre betreffen. Eine Harnröhrendehnung zur sexuellen Stimulation kann dabei etwa mit Hilfe von Dilatatoren durchgefĂŒhrt werden. Mittels Harnröhrenvibrator oder Harnröhrenplug kann die Harnröhre stimuliert werden. Intimschmuck und Modifikationen, in denen die Harnröhre einbezogen ist, dienen im Wesentlichen als Schmuck der Ă€sthetischen VerĂ€nderung des Genitalbereichs. DarĂŒber hinaus können sie eine Funktion zur Reizsteigerung bei der sexuellen Stimulation beim Geschlechtsverkehr und bei der Masturbation haben.
Bei der Bifurkation wird der Penis in unterschiedlichem Ausmaà von der Eichel her geteilt, wobei auch die Harnröhre betroffen ist. Im Falle der Subinzision findet diese Teilung nur an der Unterseite durch die Spaltung der Harnröhre und der Unterseite des Penis statt, dies kann jedoch bis zum Penisansatz reichen.
Literatur
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Weblinks
Wiktionary: Harnröhre
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: Harnröhre
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Einzelnachweise
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cite-note-66. â Der G-Punkt war gestern! Jetzt wird die Harnröhre stimuliert. (Memento vom 3. November 2018 im Internet Archive) viva.tv, 17. Juli 2017.
cite-note-77. â U-Punkt: HeiĂer als der G-Punkt? Auf: fem.com vom 17. Mai 2018; abgerufen am 29. September 2020.
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cite-note-4242. â Stichwort âUrethritis, postgonorrhoischeâ In: Pschyrembel Medizinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014, S. 2203.
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cite-note-pschyrembel-harnr-hrenkarunkel-4545. â Harnröhrenkarunkel. In: Pschyrembel Medizinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014, S. 854.
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